Isle of Man TT 2010

Teil 1 - Wie aus einem Hirngespinst Wirklichkeit wurde

Es war beim Heimatfest 2009 des SV Grossgrimma. Uwe und Seif saßen andächtig bei einigen Bierchen zusammen und unterhielten sich mal wieder, wie sollte es anders sein, über Motorräder. Die Sonne ging so langsam unter und tauchte den Abend in ein zartes Rot. Uwe kam ins Schwärmen:

"Du, Seif, also in 10 Jahren, da fahre ich auf die Isle of Man!" Die spontane Antwort von Seif: "Da komme ich mit!" Nun muss man wissen, dass einige Mitglieder unseres Vereins schon seit Beginn der 90er Jahre den Traum hatten, auf die Man zu dem legendären Strassenrennen zu fahren... Aber wie es halt so ist, was man in den "jungen" Jahren nicht macht, das wird später dann aufgrund von Familie, Beruf etc immer schwieriger.

Die Sonne stieg tiefer und tauchte den Abend in ein flammendes Rot. Auch die Bieruhr tickte unaufhörlich weiter. Uwe wurde sentimental und stellte fest: "Also in 10 Jahren, Seif, da bin ich ja schon über 50, wer weiß, an was für Apparaten ich da schon dran hänge..." Dies gab den entscheidenden Anstoß, das Vorhaben auf das Jahr 2010 zu fixieren.

Zwei Männer - ein Wort! Schnell wurden die Einzelheiten abgesprochen, Familienanghörige vor vollendete Tatsachen gestellt etc. Seif schaffte es auch tatsächlich, ohne PC, ohne Internetzugang aber mit entsprechender Hartnäckigkeit und Lauferei zum Reisebüro die Fähren zu buchen. Letztendlich wurde die Entscheidung getroffen, nicht die vollen zwei Wochen der Dauer der TT auf der Insel zu verweilen. Nach einer reichlichen Woche wollten die Beiden wieder bei den Familien daheim sein.

Ende Mai 2010 war es endlich so weit - die lang ersehnet Tour ging los! Seif sattelte seine 13 Jahre alte Honda CB750, Uwe packte Grill, Zelt und Verpflegung in den Seitenwagen seines, von einigen Vereinsmitgliedern liebevoll "Häßlon" genanntes BMW-F650-Gespannes rein und die Tour des Lebens konnte starten. Selbst der Himmel konnte sich nicht mit Freudentränen zurückhalten. Es schüttete wie aus Kübeln! Im strömenden Regen ging somit es erst einmal auf der A38 Richtung Westen. Bei Kassel verließen sie dann die Autobahn, um die Fahrt auf der Landstraße fortzusetzen. Das Wetter wurde auch zusehends besser, der Himmel klarte auf und die Sonne kam heraus. So ging es, Navi sei Dank, über idyllische Haupt- und Nebenstraßen bei herrlichstem Sonnenschein durch den Naturpark Habichtwald und über das Hochsauerland Richtung Ruhrpott.

In Erkrath wurde bei Seif seinem Bruder übernachtet. Was heißt übernachten - nach einer ausgiebigen Kneipentour mit Seif seinem Bruder durch diverse Scene-Kneipen in Düsseldorf kamen sie wieder um 02:00 Uhr zum ausnüchtern zurück in die Wohnung. Pünktlich 05:15 Uhr kam Seif sein Bruder ins Zimmer mit Uwe seiner Jacke, wo in einer penetranten Art und Weise das Handy als Wecker klingelte - Mist.

Nach einem reichhaltigen Frühstück ging es dann auf der Autobahn durch den Ruhrpott weiter Richtung Westen. Dann wieder runter von der Autobahn. Nun sollte es noch über eine per Navi vorgeplante Route durch Deutschland und über schöne Strässchen durch Holland gehen. Leider war bei Emmerich der Verkehr noch immer sehr dicht. Gefühlte 10 Minuten standen die zwei hinter einem Kommunalfahrzeug mit Anhänger, ehe sie zusammen mit diesem über die Kreuzung kamen. Uwe "packte der Senf", er zog mit seinem Gespann innerhalb der geschlossenen Ortschaft über eine Sperrfläche an dem Fahrzeug vorbei. Aus dem Augenwinkeln sah er noch jemanden auf einem Parkplatz mit einer Kelle wild fuchteld angerannt kommen: "Halt, Polizei!" stand da drauf...

"Na, was haben WIR denn falsch gemacht!?!" fragte der "Freundliche" in Grün. "Wir??? Tja, also ich weiß es ja, aber Sie?" - So lag es Uwe jedenfalls auf der Zunge. Aber im Hinterkopf mahnte da eine Stimme: "Halt jetzt endlich mal die Klappe und überlege erst mal!". OK, ok...

Es kommt selten vor, das Uwe auf jemanden hört, aber er tat es in diesem einen entscheidenden Moment, was bei ihm wahrlich nicht oft vorkommt. "Ja, niemals hätte er dort überholen dürfen, bringt ja auch nix, das mache er ja auch sonst nicht, er wüsste nicht, welcher Teufel ihn geritten hat, es sei ihm selber unbegreiflich" antwortet er reuevoll. Der "Freundliche" bemerkte, normalerweise wäre das ein verkehrsgefährdentes Überholen innerhalb einer geschlossenen Ortschaft und dann auch noch über eine Sperrfläche - darauf stünden normalerweise 80,- Teuronen Strafe und so ein bis zwei Punkte in Flensburg! Aber so unter Bikern, er würde ja auch Motorrad fahren, da könnte man auch mal ein Auge zudrücken, wenn man sich einsichtig zeigt... Ob Uwe mit 15 Euro Verwarngeld einverstanden wäre? Jaaaaaa, ganz bestimmt, sehr sogar! Und Uwe konnte mit einem schönen Andenken aus Emmerich im Gepäck weiter fahren...

Frank von Anke sollte übrigens Recht behalten. Bei Unterhaltungen im Verein bezüglich Tourplanung meinte Uwe, er wollte zur Man auf schönen Straßen durch die Niederlande fahren. Frank entgegnete, in der Niederlande gäbe es keine schönen Straßen, niemals und nimmer nicht. Ja, er hatte wirklich Recht - es war einfach nur eine Pein durch Holland! Mehr Fahrradwege als Straßen, alle 500 Meter eine Ampel, grausam. Nach knapp 20 km Gewimmel waren die Beiden auf einer völlig überfüllten 4-spurigen Autobahn. Kein Wunder, dass die Holländer sich Wohnwagen an die Autos hängen und durch die ganze Welt fahren...

Jedenfalls setzten Uwe und Seif ihre Fahrt bis zur Fähre nach Rotterdam fort. Im hintersten Winkel des Hafens fanden Sie die Anlegestelle der Fähre nach Hull. Die Fähre schipperte dann über Nacht nach Hull (England). Uwe bemerkte noch, dass das tiefe, rhytmische und niederfrequente Brummen aus dem Bauch des Schiffes bestimmt von einem gigantischen Guzzi-Motor herrührte, der da vor sich hin werkelte. Somit schliefen die zwei in ihrer Kabine mit der seligen Gewissheit ein, dass dieses die letzte Nacht war, in der sie noch mal richtig schlafen könnten. Auf der Insel gibt es dann bistimmt nur noch "Halligalli".

Von Hull aus ging es am nächsten Morgen 250 km als Geisterfahrer auf der Autobahn weiter. Zum Glück waren sie nicht die Einzigen, sondern Tausend andere machten es ebenso ;-). Nach Mittag erreichten sie den Hafen in Heysham auf dem anderen Teil der Insel. Dort ging es dann endlich auf die Fähre zur Manx, dessen heiligen Boden sie am Abend endlich betreten konnten. Wie es weiterging? Das erfahrt ihr im Teil 2!

TT 2010 - Die Hinfahrt

An der Fähre nach Hull Im Bauch des Schiffes Die hässlichsten Motorräder nach vorn!
Die Hafenausfahrt von Rotterdam Seif lacht
Ankunft auf der Manx

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